Textbeiträge von Mitgliedern

Soll ich mich hinlegen auf die Wolkenbank
Beglitzert von Sternen
Oder pampig werden
Auf dem Boden der Tatsachen
Daß er mich tragen soll

Der kümmert sich nicht
Denn die Welt die uns bildet
Ist auch die Welt die wir bilden
Und dies holprige Eis
Entsprungen meiner unterlaufenen Holprigkeit

Mir war nicht zu wohl als es mich packte
Das mich wieder los lassen wollte
Doch sie ließen es nicht
Kamen mir anders
Duckten mich nieder

Daß sie mich aufrichten würden können
Da hat jeder seinen Job
Und der Strauchelnde erhebt sich
Über den Gefallenen
Alles Gute!

 

 

Wallung des Geblüts

In der dicken Finsternis liege ich ruhig
Doch erwarte den herannahenden Tag mit Bange
Diese hellen Tage die den Staub beglänzen
Der mir die Wimpern verklebt
Durch den ich rudernd wate
Diese abfallenden Hänge
Auf denen ich tastenden Fußes schreite
Diese begleitete Dämmerung
In der ich es vorsichtig wage
Wieder zu atmen
Ach wenn es mich ließe
Das Schwere das Taumelnde das Beirrbare
Das Katastrophenschwüle
Und ich zurückfände
In die Traulichkeit
Der nüchternen Morgen

 

 

Grundlos

1
Das Schweben über dem Abgrund
Die Füße auf kurzen Beinen
In den Boden gestemmt
Die Sinne suchend
Die Seele steht groß im Raum
Man kommt rechts und links
Nicht an ihr vorbei
Sie hat die Fallsucht
Wenn die Gelassenheit anschwappt
Kann die Hoffnung den Griff
An der Notbremse lockern

2
Nach dem Beben
Hält alles nur noch
Lose zusammen
Das Meer der Tränen
Ist verdampft
Hat bröckeligen Kalk
Und Sand zurückgelassen
Ich meditiere über
Der Blutspur und hoffe
Daß sich die Wunde schließt

3
Gebunden in Selbstscham und Zitterwahn
Da war mal einer
Der riß die Nadel vom Kompaß
Und legte den auf die Schiene
Daß er geplättet wurde
Der soll nicht recht behalten

 

 

Einer
Der das Maul nicht aufgetan hat
Der nicht gebeten hat
Um Hilfe
Der gesagt hat
Wozu noch reden
Und eine sagte
Will er jetzt immer schweigen
Und er wollte
Und hat allen gebleckt die Zunge
Und nicht geantwortet
Auf die Frage warum
Und nicht mehr nehmen können
Die warme Hand
Als er hing am Strick

 

 

Wir

Eine Straße in einem schattigen Tal
Gesäumt von grünen Bäumen und Sträuchern
Befahren von eiligen Autofahrern in stinkenden Autos

Es gabelt eine ruhigere Seitenstraße
Die sich, bevölkert von einigen Personen und Autos,
Zu einem Sack erweitert
Der einen Ausgang hat

Wir aber dort (groß und leicht schräg im vermuteten Wind)
Sind wie der blinde Maulwurf
Auf den wir schauen

Den man aus seinem Bau geworfen hat
Unverletzt
Aber nackt und hilflos
In seinem schwarzen Samtpelz
Mit den putzigen niedergeschlagenen Augen

Unter grobfingrigen benzinfüßigen Menschen
Die wir wären (und sind)

 

 

Als wir da sind
Die tief im Grund Stehenden
So nah und dunkel
Nippen wir an der Verzweiflung
Die wir kennen und teilen
Galoppieren wir zuzeiten in die Irre
Und scheuen und fallen
Und finden uns
Im Schattental
Im Licht
Als immer wir und nicht

 

 

Unter der Narrenkappe
Unterwegs von dort nach hier
Alles hat es uns gekostet
Was blieb ist kostbar

 

Copyright © 2002 bei der Autorin

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