Textbeiträge von Mitgliedern

Der gefährliche Wahn der Psychiatrie und Psychologie

Die Bemühungen der Forschung, die sogenannten psychischen Krankheiten schon im Keim zu erfassen und auszurotten, sehe ich mit großer Besorgnis, denn sie lassen auf eine schlechte geistige Verfassung der beteiligten PsychiaterInnen und PsychologInnen schließen. Da diese sehr krankheitsuneinsichtig und noch dazu mächtig sind, ist es sehr schwer ihnen zu helfen, aber mit Geduld und Einfühlungsvermögen wird hoffentlich eine Selbstgefährdung zu verhindern sein. Die Fremdgefährdung liegt bereits vor, da hilft es nur, ihnen aus dem Weg zu gehen.

Die Entstehung der Menschheit und die Entwicklung der Menschheit war und ist beeinflusst von den unglaublichen genetischen und sonstigen  Zufällen, die neben den normalen Wesen immer auch etwas weniger normale Wesen hervorgebracht hat. Je nachdem, wie brauchbar diese für die Gemeinschaft waren oder wie überlebenstüchtig sie waren, gab es durch sie Fortschritte in der menschlichen Entwicklung. Auch die menschlichen Möglichkeiten, die heute als Depression, Manie oder Psychose bezeichnet werden, waren der Menschheit von Nutzen. Vielleicht war der Menschenaffe, der zuerst den Wald verließ, leicht manisch. Die Anfänge der Medizin wurden sicher beflügelt von dem Erlebnis einer Depression nach dem Tod eines geliebten Stammesgenossen. Die Ursprünge der Religionen und Riten, die Grundlage einer menschlichen Gemeinschaft sind, wurden möglicherweise eher angeregt durch psychotische Erlebnisse als durch die Mühen des Alltags.

Ich gebe mich keinen Illusionen hin, für die besonders sensiblen Menschen war es zu keiner Zeit und in keiner Gesellschaft sehr leicht zu überleben. Die meisten von ihnen hatten einen hohen Preis zu zahlen dafür, dass sie nicht normal waren. Sie „verbrannten innerlich“ oder sie wurden „verbrannt“. Immer wieder aber gab es einige Glückliche, deren Wert für die Gemeinschaft erkannt wurde, deren Fähigkeiten integriert wurden, denen die Gesellschaft den nötigen Schutz gab. Ohne sie gäbe es keine Menschheit mit ihren guten und schlechten Seiten. Manche militanten Naturschützer und Menschenhasser gehen  im übrigen soweit, die Menschen als die Seuche des Planeten Erde zu bezeichnen.

Die Überzeugung, angesichts der vielen ungelösten Probleme auf dieser Welt, plötzlich auf die  Menschen mit Manien, Depressionen und Psychosen verzichten zu können, ist ein gefährlicher Wahn, es gäbe weniger Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Aus der Landwirtschaft weiß man, wie anfällig Monokulturen sind. Die Artenvielfalt garantiert am ehesten ein gesundes System. Künstliche Eingriffe können oft unabsehbare Folgen haben, das Aussterben einzelner Arten kann zu einem ungesunden Überhandnehmen anderer Arten führen. Die Versuche, sogenannte Schädlinge  mit Chemie zu beseitigen, führte z.B. bei Bakterien zur Entstehung von viel gefährlicheren Arten, gegen die es keine Heilmittel mehr gibt.

Der o.g.. Wahn geht vielleicht Hand in Hand mit Insuffizienzgefühlen und Existenzängsten der PsychiaterInnen und PsychologInnen. Das muss ernstgenommen werden und behutsam die Überzeugung gestärkt werden, dass Menschen, die mit Manien, Depressionen und Psychosen konfrontiert sind, meist nur vorübergehend Schutzräume und Fürsorge benötigen und für diese Aufgabe eine kultivierte Gesellschaft durchaus Mittel bereitstellen wird.

Dezember 2001

Sissi Haap

Copyright © 2017 Münchner Psychiatrie-Erfahrene (MüPE) e. V.. Alle Rechte vorbehalten.
Zum Seitenanfang